E-Mail an Stadtrat Oxonitsch / MA 13

Kommentar zum Antwortschreiben

Mails von UnterstüzterInnen

Beitrag der Schulhefte

 

E-Mail an Stadtrat Oxonitsch / MA 13
Sehr geehrter Herr Stadtrat Oxonitsch!
Wir möchten auf diesem Weg unsere Besorgnis über die gefährdete Situation des Verein Kulturzentrum Spittelberg ausdrücken.
Das Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus bildet seit langen Jahren einen wichtigen Rahmen für eine Vielfalt von sozialen, politischen und kulturellen Aktivitäten. Eine große Anzahl von Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen findet hier als einer der letzten nicht-kommerziellen derartigen Strukturen in Wien niederschwelligen Zugang.
Gerade auch angesichts der Schwierigkeiten, mit denen andere nicht kommerzielle Initiativen in ihren Kämpfen um Freiräume konfrontiert sind, droht durch das Aushungern des Kulturzentrums Spittelberg im Amerlinghaus eine drastische Verarmung der Vielfalt und der Basiskultur in Wien. Für viele Gruppen und Initiativen wäre der Wegfall des Amerlinghauses als nicht-kommerzieller Ort existenz­gefährdend.
In diesem Sinne ersuchen wir Sie und die Gemeinde Wien, den Fortbestand des Kulturzentrums zu gewährleisten.
Christian Oxonitsch
Wiener Stadtrat für Bildung, Jugend, Information und Sport
christian.oxonitsch@wien.gv.at
Wiener Rathaus, Büro der Geschäftsgruppe für Jugend, Bildung, Information und Sport
Telefon 01/4000-81181

Kommentar zum Antwortschreiben
Wir danken euch für eure Solidarität, für die zahlreichen emails und eure Unterstützung!
Es ist mit eurer Hilfe gelungen zu zeigen, dass viele Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen auf das Kulturzentrum Spittelberg / Amerlinghaus nicht verzichten wollen / können, und dass es ein wichtiger Bestandteil der kritischen Basis- und Gegenkultur in Wien ist. Wir wollen, dass das auch so bleibt - und dafür werden wahrscheinlich weitere gemeinsame Anstrengungen nötig sein.
Zum Antwortschreiben aus dem Stadtratsbüro Christian Oxonitsch haben wir folgendes zu sagen:
Wir freuen uns, dass die Gemeinde Wien bis jetzt den Bestand des Kulturzentrum Spittelbergs gewährleistet hat. Wir freuen uns auch besonders, dass die Verantwortlichen - wir nehmen an, damit ist der Vorstand gemeint - das Vertrauen der Gemeinde genießt. Allerdings scheint es, als wäre der Stadtrat über einige Dinge nicht ausreichend informiert.
1. es kann in keiner Weise von einer "erfolgreichen wirtschaftlichen Konsolidierung" gesprochen werden, höchstens von einer ausgedehnten Fastenkur, wobei angesichts der seit 2007 weiter angestiegenen Preise mittlerweile der Hungertod droht.
2. Eine Basisfinanzierung in der Höhe von den jetzt beschlossenen 250.000,- für 2010 ist real weniger wert als im Jahr 2004, ist insofern ein Rückschritt und gewährleistet keine ausreichende Absicherung des Kulturzentrums. Wie wir bereits in einem Gespräch deutlich zu machen versucht haben, geht es uns um eine Wertanpassung der Suvention. Gerechnet den Aufwand für Miete, Betriebskosten (Strom, Gas, Wasser..), Gehälter und Aufwandsentschädigungen für Angestellte und MitarbeiterInnen im Haus, bleibt für Dinge wie Telefon, Kopier- und Klopapier, ganz zu schweigen für Geld für Hausinstandhaltung, Reparaturen, Veranstaltungen und Honorare an Dritte nämlich weniger als nichts, weil die Basiskosten die Basisfinanzierung mittlerweile schon übersteigen. Das ist keine Grundlage für eine Sicherung des weiteren Bestands des Amerlinghauses in der jetzigen Form.
3. Angesichts dieser Situation wüssten wir nicht, für welche "nicht nachvollziehbaren Entscheidungen in der Finanzgebarung" überhaupt Spielraum gewesen wäre. Es ist schlicht und einfach kein nicht bereits auf den letzten Euro fest eingeplantes Geld da, über das jemand hätte Entscheidungen treffen könne.
Für diese Probleme haben wir noch keine gemeinsame Lösung gefunden. Wir erhielten lediglich im Oktober einen Vorschuß auf die Subvention des Jahres 2010, der uns vorläufig die Weiterarbeit ermöglicht hat, für 2010 sind aber dann bereits im Sommer mit finanziellen Schwierigkeiten zu rechnen.
Wie auch immer, wir hoffen, dass wir dem in uns gesetzten Vertrauen gerecht werden können. Dem Vertrauen, dass wir so weiterarbeiten werden wie bisher, dass wir uns nicht entsolidarisieren lassen, dass wir keinen Personalabbau betreiben werden (wobei das Amerlinghaus als Basis-Kultur- und Kommunikations-Zentrum mit weniger Personen auch nicht zu betreiben ist). Wir vertrauen auf Solidarität und werden nicht, auch wenn wir mit den finanziellen Problemen alleingelassen werden, diese uns gegenseitig zuspielen oder gar an Schwächere weitergeben oder soziale und niederschwellige Basiskulturarbeit aus Gründen der "Wirtschaftlichkeit" beschränken oder aufgeben.
Und ja, und wir stimmen dem vollinhaltlich zu, dass das Kulturzentrum Spittelberg Amerlinghaus "Menschen wie Sie braucht, die durch ihr Engagement und ihre tatkräftige Mithilfe dieses Projekt der zivilen Selbstverwaltung inhaltlich (...) lebendig halten."

Mails von UnterstüzterInnen

Wir möchten auf diesem Weg unsere Besorgnis über die gefährdete Situation des Verein Kulturzentrum Spittelberg ausdrücken.
Das Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus bildet seit langen Jahren einen wichtigen Rahmen für eine Vielfalt von sozialen, politischen und kulturellen Aktivitäten. Eine große Anzahl von Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen findet hier als einer der letzten nicht-kommerziellen derartigen Strukturen in Wien niederschwelligen Zugang.
Insbesondere finden zahlreiche Veranstaltungen der Grazer Autorinnen Autorenversammlung im Amerlinghaus statt. Unsere Mitglieder (die die jeweilige Veranstaltung jeweils alleine verantworten) finden dort eine unbürokratische und dennoch gut ausgestattete Infrastruktur, MitarbeiterInnen des Amerlinghauses begleiten die Bewerbung kompetent und initiativ. Es wäre ein schlimmer Verlust, dieses besonderes Haus als Ort für Lesungen und Ausstellungen zu verlieren.
Gerade angesichts der Schwierigkeiten, mit denen andere nicht kommerzielle Initiativen in ihren Kämpfen um Freiräume konfrontiert sind, droht durch das Aushungern des Kulturzentrums Spittelberg im Amerlinghaus eine drastische Verarmung der Vielfalt und der Basiskultur in Wien. Für viele Gruppen und Initiativen wäre der Wegfall des Amerlinghauses als nicht-kommerzieller Ort existenz¬gefährdend.
In diesem Sinne ersuchen wir Sie und die Gemeinde Wien, den Fortbestand des Kulturzentrums zu gewährleisten.
GRAZER AUTORINNEN AUTORENVERSAMMLUNG

Ich habe vernommen, dass das Kulturzentrum am Spittelberg im Amerlinghaus in Gefahr ist, weil die Subventionen der Stadt Wien nicht ausreichend dotiert zu werden drohen.
Seit 1982 bin ich Gast im Amerlinghaus und kann sagen, dass dieser Ort für meine künstlerische Entwicklung wesentlich war.
Hier haben Gruppen und Initiativen immer unbürokratisch und problemlos Räme gefunden, um zu proben, zu diskutieren, sich zu versammeln.
Gerade Gruppen, die sonst schwer oder gar nicht irgendwo unterkommen, wird hier bereitwillig die Tür aufgemacht.
Als ich begann, mit Roma Theater zu machen, war das Kulturzentrum am Spittelberg im Amerlinghaus für etliche von ihnen die einzige Wiener Kulturinstitution, die sie jemals besucht hatten.
Als ich eine Co-Autorin für meine Gefängnistheaterstücke suchte, fand ich sie Über den verein Exil im Amerlinghaus.
Ob Workshops zu Augusto Boals Theater der Unterdrückten oder
HipHopworkshops, ob politische Diskussionen oder Wochenendseminare: Das Amerlinghaus war und ist für selbstorganisierte, engagierte Basiskultur, die im durchkapitalisierten privaten und öffentlichen Raum sonst keine Chance hätte,
ein wunderbares Treibhaus.
In diesem Sinne ersuche ich Sie und die Gemeinde Wien, den Fortbestand des Kulturzentrums zu gewährleisten.
Tina Leisch

Als regelmäßige NutzerInnen des Amerlinghauses möchten wir unsere Besorgnis über die gefährdete Situation des Verein Kulturzentrum Spittelberg ausdrücken.
Das Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus bildet seit langen Jahren einen wichtigen Rahmen für eine Vielfalt von sozialen, politischen und kulturellen Aktivitäten. Eine große Anzahl von Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen findet hier als einer der letzten nicht-kommerziellen derartigen Strukturen in Wien niederschwelligen Zugang.
Gerade auch angesichts der Schwierigkeiten, mit denen andere nicht kommerzielle Initiativen in ihren Kämpfen um Freiräume konfrontiert sind, droht durch das Aushungern des Kulturzentrums Spittelberg im Amerlinghaus eine drastische Verarmung der Vielfalt und der Basiskultur in Wien. Für viele Gruppen und Initiativen wäre der Wegfall des Amerlinghauses als nicht-kommerzieller Ort existenz¬gefährdend.
Für unsere Veranstaltungen im Amerlinghaus sind sowohl die Zugänglichkeit wie auch die gute Atmosphäre dort von besonderer Bedeutung. Dieser „Klima-Faktor“ beruht auf der Geschichte des Hauses und wird durch das Engagement des Teams laufend neu hergestellt.
In diesem Sinne ersuchen wir Sie und die Gemeinde Wien, den Fortbestand des Kulturzentrums zu gewährleisten.
entschleunigung und orientierung . institut für alterskompetenzen

Beitrag der Schulhefte
Die „Schulhefte“ sind eine pädagogische Taschenbuchreihe, die sich seit mehr als 30 Jahren um gesellschaftliche Positionen und deren Verbindung zur pädagogischen Praxis bemüht. Die AbonnentInnen und LeserInnen sind vor allem LehrerInnen aller Schultypen.
Sowohl bei der redaktionellen Arbeit zu verschiedenen Themen - die Redakteurinnen der „Schulhefte“ sind durchwegs LehrerInnen – als auch bei den Empfehlungen für konkrete Arbeit mit den SchülerInnen zu Themen wie Minderheiten, Migration, Multikulturalität, Umgang mit der Vergangenheit, ökologische und soziale Probleme u.a.m. konnten wir sehr oft auf das Angebot des Amerlinghauses zurückgreifen.
Das Kulturzentrum Spittelberg/Amerlinghaus war und ist für uns eine Bildungs- und Kultureinrichtung, deren vielfältige Angebote für engagierte LehrerInnen unverzichtbar sind. In vielen – zumeist kostenlosen - Workshop, Ausstellungen, Lesungen, Vorträgen konnten sowohl LehrerInnen, vor allem aber SchülerInnen wertvolle Informationen und Erfahrungen gewinnen. Zudem konnten SchülerInnen erfahren, wie Basisdemokratie in der Praxis funktionieren kann.
In Zusammenarbeit mit Verantwortlichen des Amerlinghauses entstanden auch Nummern der „Schulhefte“ wie zum Beispiel die Nummern 105, 106 „Die Mühen der Erinnerung“, die Nummer 114 „Migration, Rassismus, Zweisprachigkeit“ oder die Nummer 115 „Roma uns Sinti“.
Da die HerausgeberInnen der „Schulhefte“ unentgeltlich arbeiten, war es für sie immer ein sehr große Hilfe, für Vorträge kostenlose Veranstaltungsräume im Amerlinghaus zu finden.
Aus all diesen Gründen hoffen wir, dass die Finanzierung einer so wertvollen Einrichtung auch in Zukunft gewährleistet ist.
Wir danken den Verantwortlichen des Amerlinghauses und wünschen ihnen weiterhin viel Kraft für ihr Engagement!
Die HerausgeberInnen der „Schulhefte“