1000
Jahre Haft
Operation Spring und institutioneller Rassismus
Resümee einer antirassistischen Gruppe
GEMMI
Gesellschaft für Menschenrechte von Marginalisierten und MigrantInnen
ISBN 3-200-00374-X
Herausgeberin & Verlag: Verein für antirassistische
Öffentlichkeitsarbeit
Wien 2005
Stiftgasse 8, A-1070 Wien
€ 10,-
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Dieses
Buch entstand als Reflexion einer politischen Gruppe in Wien, die sich
1999 organisiert hatte, um dem wachsenden institutionellen Rassismus entgegenzutreten:
Die Gesellschaft für Menschenrechte von Marginalisierten und MigrantInnen,
kurz GEMMI.
Ende der 90er Jahre etablierte sich im europäischen Kontext ein neues Feindbild
in Österreich: Der afrikanische Drogendealer, der sich international mit
anderen Kartellen vernetzt und unsere unschuldigen weißen Kinder vergiftet.
AfrikanerInnen waren verstärkt Kontrollen und Übergriffen ausgesetzt.
Ahmed F. aus dem Sudan war bei einer dieser Kontrollen getötet worden.
Eine große Demonstration gegen die rassistische Polizeigewalt verhinderte
nicht, dass es weitere Tote gab.
Am 1. Mai 1999 starb der Nigerianer Marcus Omofuma an Bord eines Passagierflugzeugs
während seiner Abschiebung. Die Forderung nach dem Rücktritt des Innenministers
wurde lauter – und es war Wahlkampf. Das Gewaltmonopol reagierte gewohnt
offensiv:
Ende Mai 1999 stürmten Sondereinheiten der Wiener Polizei Flüchtlingsheime
und Privatwohnungen und verhafteten mehr als hundert Menschen, in der Mehrzahl
Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern: die sogenannte „Operation
Spring”. Die Medien verbreiteten das Konstrukt der nigerianischen Drogenmafia
und ließen den Tod von Marcus als kriminalitätsbekämpfende Maßnahme
erscheinen. Solidarität und Proteste hörten auf, prominente UnterstützerInnen
begannen sich zu distanzieren.
Die GEMMI gründete sich im Schatten dieser Ereignisse. Das Buch erzählt
über die antirassistische Arbeit und über Erfahrungen, die wir dabei
sammeln konnten, und geht auch Fragen nach dem Zusammenhang von Drogen und Kapital
nach.
Mit unserem Ansatz, persönliche Erfahrung mit Analysen und Berichterstattung
von den Prozessen zu vermischen, haben wir zumindest einen Verleger in die Flucht
geschlagen. Für uns ist gerade diese Collage und Vielfalt spannend, die
auch den unterschiedlichen Zugang der GEMMI-AktivistInnen widerspiegelt.
Bleibt noch, uns bei allen zu bedanken, die durch persönliches Engagement,
zeitweilige Mitarbeit, solidarische Beiträge und kritische Anregungen die
Arbeit der GEMMI unterstützt und ermöglicht haben. Danke auch für
die Sach- und Geldspenden, die dafür verwendet wurden, möglichst viele
Gefangene mit dem Nötigsten zu versorgen.
Vermutlich dreht sich da so mancher Erbonkel im Grab um.