Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus
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Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus

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Das Kulturzentrum im Amerlinghaus ist seit 35 Jahren kontinuierlich eine offene, niederschwellige Einrichtung und unverzichtbare Ressource für eine Vielfalt emanzipatorischer und selbstorganisierter Projekte, für kritische Basiskulturarbeit, soziale und Bildungsarbeit, für antirassistische, kulturpolitische Initiativen.
Als generationen-, kulturen- und szenenübergreifendes Projekt zeichnet sich das Zentrum durch die Heterogenität seiner Nutzer_innen aus. Hier treffen einander Menschen aller Altersgruppen, Migrant_innen, Künster_innen, politisch Aktive ebenso wie Obdach- und Erwerbsarbeitslose. Gemeinsam ist ihnen der Anspruch, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.
Abseits von Mainstream und Verwertungslogik eröffnet das Kulturzentrum im Amerlinghaus inkludierende Räume der sozialen und kulturellen Partizipation und Selbstbestimmung, in denen Diskurse der Solidarität, der Ent-Grenzungen und des kritischen Denkens gepflegt werden, wo kontinuierlich an einer Kultur der Vielfalt gearbeitet wird.
Eindeutig besetzte Bereiche wie „Kultur“, Politik“ und „Soziales“ werden in vielfältigen Aktivitäten aufgebrochen und mit weniger ausgrenzenden Bedeutungen gefüllt. Diese Struktur ermöglicht Austausch und Diskussion, baut Berührungsängste ab und bringt neue Impulse, verhindert Vereinzelung und die Abschottung von Szenen und Milieus und wirkt in hohem Maße integrativ.
Von früh bis spät ist das Haus aktiv:
Deutschkurse für MigrantInnen, Kinderbetreuung, interkulturelle Projekte in den Bereichen Literatur, Musik, Malerei, Tanz und Crossover, Romakulturveranstaltungen, Improvisations- und Mitspieltheater, linke Gruppen, die sich mit politischer Theorie & Praxis beschäftigen, selbstorganisierte Senior_innen-Treffen, Selbsthilfegruppen und Selbstermächtigungsprojekte in verschiedensten Themenbereichen wie Prekarisierung, Marginalisierung, Migration, soziale Verdrängung, Recht auf Stadt... Marxismuskongresse, Literaturveranstaltungen, kritische Filmabende, juristische Beratung und vieles mehr findet im Kulturzentrum Raum. Über 50 Gruppen, Initiativen und Projekte nutzen regelmäßig die Ressourcen im Haus. Dazu kommt ein weiter Kreis an punktuellen Nutzer_innen.

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von 7. Juli bis 18. Juli
sowie von 18. August bis 29. August
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Das Infobüro ist von 21. Juli bis 15. August geschlossen.

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-> Geschichte & Gegenwart

-> Selbstverständnis, Aktivitäten und inhaltliche Grenzen

-> Daten & Fakten: Hausstruktur - Personal - Verein - Finanzierung


Geschichte & Gegenwart

Das als „das Amerlinghaus“ bekannte und nach dem Maler Friedrich von Amerling benannte Kultur- und Kommunikationszentrum war ursprünglich als selbstverwaltetes Stadtteilzentrum am damals proletarischen und migrantischen Spittelberg konzipiert.
Im Sommer 1975 wurde das in Gemeindebesitz befindliche, leerstehende und desolate Haus besetzt. Leute aus der Nachbarschaft, StudentInnen, KünstlerInnen, SozialarbeiterInnen und Alternativgruppen forderten ein selbstverwaltetes, gefördertes Kultur- und Kommunikationszentrum von der Gemeinde Wien. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, besetzten sie im Sommer 1975 das "Amerlinghaus" in der Stiftgasse. Nach einem großen Vier-Tage-Fest wurde im Sommer ein "Demonstrationsbetrieb” aufgenommen. Ziel des Projekts war, zusammen mit Personen aus der Nachbarschaft, Kindern und Jugendlichen, Erwachsenen und alten Menschen einen selbstbestimmten und selbstverwalteten Ort der Kommunikation und der kulturellen Aktivität im Grätzl zu schaffen. Der Bedarf nach neuen, alternativen und kritischen Konzepten war Mitte der 1970er groß. Einen Sommer lang lebten Haus und Hof auf. Fast täglich Kulturprogramm, Kinderbetreuung, Kommunikation zwischen den Generationen, zwischen Bevölkerung und AktivistInnen und PolitikerInnen sowie ein hervorragendes Medienecho waren die Folge. Die "weiche" Besetzung des Amerlinghauses war die erste in Wien und wurde von der Gemeinde im Gegensatz zu in den nächsten Jahren folgenden weitgehend toleriert. Die Besetzer_innen des Hauses hatten mit der Gemeinde Wien Verhandlungen aufgenommen, die in der Renovierung des Amerlinghauses und offiziell am 1. April 1978 in der Übergabe an den sich als Kulturzentrum Spittelberg konstituierten Verein resultierten. Seit damals wird der Verein Kulturzentrum Spittelberg durch die MA 13 subventioniert.

(Im Bild: Gertrude Fröhlich-Sandner und Herbert Sburny)

Ein Teil der Vereinbarungen bestand im Verzicht auf Räumlichkeiten im 1. Stock, in denen bis heute das Bezirksmuseum Neubau untergebracht ist. In den Anfangsjahren wurden von der Subvention um die 10 Mitarbeiter_innen beschäftigt. Im Amerlinghaus wurde zu dieser Zeit unter anderem eine der ersten Alternativschulen Wiens gegründet. So breit das Spektrum der sozialen und kulturellen Aktivitäten im Kulturzentrum Spittelberg auch war, zeichnete sich bereits von Anfang an eine Entwicklung ab, die die weitere Geschichte des Zentrums prägte. Die Entscheidung für eine öffentliche Subventionierung brachte die formale Einführung eines rechenschaftspflichtigen Gremiums mit sich, dem damit eine gewisse Machtposition eingeräumt wurde. Zum anderen bedeutete die Anstellung von Personen ein Auseinanderfallen der Aktivist_innen, eine ungleiche Trennung in "Macher_innen" und "Konsument_innen", eine Entwickung, welche auch die anfängliche Abhaltung von Hausplena nicht verhindern konnte. Die als "Mitarbeiter_innen- Selbstverwaltung" im Amerlinghaus bezeichnete Struktur markiert die Etablierung einer bezahlten, für den Betrieb verantwortlichen Gruppe von Personen. Das Kulturzentrum im Amerlinghaus stellte kein sich als basisdemokratisch verstehendes, autonom selbstverwaltetes Modell mehr dar. Das Zentrum hatte die Basis der jungen Sozialen Bewegungen verloren, die sich in anderen Projekten wie der Arena engagierten.

1980 kam es zu einer "Zweiten Besetzung" des Amerlinghauses im Zusammenhang mit der "Burggartenbewegung", wobei der Konflikt zwischen autonomen Ansprüchen und den nunmehr als alleinige Entscheidungsträger_innen fungierenden Mitarbeiter_innen virulent wurde. War das Amerlinghaus ursprünglich als Kultur- und Kommunikationszentrum in einem proletarischen und migrantischen Stadtteil gedacht, so hat sich auch die Umgebung im Laufe der Jahre verändert - eine Entwicklung, die vom Kulturzentrum sicher nicht intendiert, aber indirekt dennoch mit vorangetrieben worden ist. Ein Großteil des Spittelbergs wurde renoviert und nicht, wie anfangs befürchtet, abgerissen. Unter anderem war auch die GESIBA an einigen Bauprojekten beteiligt. Rasch änderte sich die Struktur von einem heruntergekommenen Vorstadtviertel zu einem teurer und schicker werdenden Vorzeigeviertel mit bessergestellter, alternativ-liberaler Klientel. Der Spittelberg ist ein frühes Beispiel für Gentrifizierung, wo über den Umweg von sozial-engagierter Arbeit und Künstler_innen-Initiativen mittlerweile Konsum und Gastronomiebetriebe vorherrschen und die Mieten für die ursprünglichen Bewohner_innen längst viel zu teuer sind.
Die Spaltung der Räumlichkeiten im Amerlinghaus in die vom Kulturzentrum verwalteten und in das von der Amerlingbeisl Gastronomie GmbH betriebene "Amerlingbeisl" geht ebenfalls auf die Kommerzialisierung des ursprünglich als Teil des Kulturzentrum konzipierten Beisls bereits Ende der 70er Jahre zurück.

Von Anfang an war die Arbeit im Kulturzentrum als ganzheitlich und integrativ konzipiert. Ein neuer Kulturbegriff wurde hier als ein alle sozialen Beziehungen umfassender verstanden, Kulturarbeit und Soziale Arbeit waren dabei nicht zu trennen. Die integrativen Aspekte bezogen sich auf generationenübergreifende, interkulturelle Arbeit sowie auch darauf, eindeutig besetzte Bereiche wie “Kultur” oder “Soziales” aufzubrechen und mit weniger ausgrenzenden Bedeutungen zu füllen. Wurden in den ersten Jahren noch intensive inhaltliche und politische - teilweise recht heftige - Auseinandersetzungen über Konzepte und kritische Ansätze geführt, so wurde das Kulturzentrum zunehmend zu einer Anlaufstelle und Ressource für unterschiedliche Gruppen, die hier ihre eigenen Interessen und Inhalte verfolgten. Eine übergreifende, gemeinsame politische konzeptuelle Diskussion und Entwicklung von Inhalten verlor zunehmend an Bedeutung. Dennoch bildet das Kulturzentrum bis heute ein "Treibhaus" für alternative Gesellschaftsentwürfe und kritische Projekte. Was sich durch viele gesellschaftliche Veränderungen hindurch nicht geändert hat, ist die Notwendigkeit, gegen Unrecht, Vorurteile und rassistische Hetze aufzutreten, und unser Wille, dazu einen Beitrag zu leisten. Das Kulturzentrum im Amerlinghaus ist ein wichtiger Treffpunkt und eine - oft die einzige - unverzichtbare Ressource für eine Vielzahl von Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen geblieben.
Gemessen an den damaligen Ambitionen und Visionen, nicht ein einzelnes Haus, sondern viele solcher selbstverwalteter Zentren zu etablieren, zeigt sich, dass es auch gegenwärtig kaum solche Räume gibt, wo engagierte Initiativen und Personen aus der Pluralität ihrer unterschiedlichen Perspektiven, Ansätze und Praxen heraus zusammenkommen und innerhalb einer offenen, wertschätzenden und unterstützenden Struktur selbstbestimmt arbeiten können – zugunsten einer solidarischen Kultur der Vielfalt.

Vieles, was gegenwärtig einen teilweise auch schon etablierten Bestandteil des sozio-kulturellen Lebens in Wien bildet, hat seinen Anfang im Kulturzentrum im Amerlinghaus genommen - von der erwähnten Alternativschulbewegung über Anti-AKW Aktivitäten, interkulturelle Lernbetreuung - noch bevor "Integration" zum hegemonial machtpolitisch besetzten Unwort wurde, autonome Frauenprojekte, der Kampf um das WUK und die Gassergasse, selbstbewusste migrantische Jugendprojekte wie ECHO oder kollektive offene Wohnprojekte für Obdachlose wie das Neunerhaus und viele andere mehr. Wahrscheinlich bildete paradoxerweise gerade die "Verbeamtung" der Mitarbeiter_innen als Lohnarbeiter_innen eine Voraussetzung dafür, dass das Kulturzentrum im Amerlinghaus - anders als zu Beginn intendiert, aber immer noch - existiert und ein linkes Zentrum geblieben ist. Mitarbeiter_innen kümmern sich um den Hausalltag und die Koordination, unabhängig von den Aufbrüchen, Wandlungen und manchmal auch Erschöpfungen, die einzelne Initiativen durchlaufen mögen.

Von den anfänglich um die zehn Mitarbeiter_innen ist der Personalstand mittlerweile auf drei Teilzeitarbeiterinnen im operativen Bereich und eine Putzarbeiterin reduziert. Das Aktive Zentrum im Amerlinghaus führt die Schiene der Altenarbeit kontinuierlich fort und setzt wichtige kritische Impulse auf gesellschaftlicher und individueller Ebene für die Realisierung neuer, vielfältiger Lebensräume und Visionen. Geleitet von einer der Mitarbeiterinnen werden altenpolitische Anliegen aufgegriffen und Praxen der "Generation 50+" entgegen hegemonialen gesellschaftlichen und ökonomischen Nutzenkalkülen entwickelt.
Einige Projekte und Initiativen, die ursprünglich direkt vom Verein Kulturzentrum Spittelberg mitgetragen wurden, erhalten mittlerweile selbst Unterstützungen, die es ihnen ermöglichen, eigene Mitarbeiter_innen zu zahlen, wie die elternverwaltete Kindergruppe im Amerlinghaus.
Ein unmittelbar aus der für marginalisierte Gruppen parteiischen und transkulturellen Arbeit im Kulturzentrum entstandenes Projekt im Amerlinghaus ist der mittlerweile selbstständige verein exil. Seit 1988 arbeitet exil als Kulturzentrum mit Schwerpunkt Literatur und Kulturpräsentationen der sogenannten “Minderheiten” und speziell der Roma in Österreich. In zahlreichen - auch internationalen - Veranstaltungsreihen mit Buchpräsentationen, Lesungen, Ausstellungen, Vorträgen, Kompositions-, und Theaterprojekten sowie Antirassismus-Workshops für Schulklassen entwickelt, fördert und präsentiert zentrum exil Arbeiten von zugewanderten Künstler_innen und Angehörigen ethnischer Minderheiten.
Ein weiteres im Kulturzentrum Spittelberg etabliertes, selbstgeführtes und -finanziertes Projekt ist die Vereinigung für Frauenintegration, gegründet 1997 im Bewusstsein, dass es vor allem für sozial benachteiligte Migrantinnen und deren Kinder zu wenig leicht zugängliche Bildungs- und Beratungsangebote gibt. In diesem Sinne bietet die Vereinigung für Frauenintegration professionelle Sprach- und Computerkurse sowie Vorbereitungsangebote für die "Integrationsprüfung" mit Kinderbetreuung für sozial benachteiligte Frauen aus unterschiedlichen Kultur- und Sprachkreisen an.

In den mittlerweile 35 Jahren der Arbeit des Kulturzentrum Spittelbergs hat sich zweifellos im Kontext historischen gesellschaftlichen Wandels vieles geändert, Mitarbeiter_innen und mit ihnen Schwerpunktsetzungen haben gewechselt, einige aus der "Gründer_innengeneration" sind bereits in Pension, junge Personen mit anderen politischen Konzepten bringen neue Konzepte in das Kulturzentrum.
Und das Kulturzentrum im Amerlinghaus ist bis heute ein linkes, kritisches Zentrum geblieben, das immer noch Ausgangs- und Knotenpunkt für vielfältige interessante Diskussionen und emanzipatorische Praxen ist.
Wie wichtig und unverzichtbar Projekte wie das Kulturzentrum im Amerlinghaus gegenwärtig sind, zeigt sich daran, dass das Haus voller Menschen ist, die die oft andernorts hohe Zugangsschwellen allein hinsichtlich Raummieten und Konsumzwang nicht passieren können. Dieselben Personengruppen sind es auch, die zusätzlich mit massiven immateriellen Hürden konfrontiert sind. Immer größere Teile der Gesellschaft werden von Partizipationsmöglichkeiten weitgehend ausgeschlossen und damit noch weiter an den gesellschaftlichen Rand und in die Unsichtbarkeit gedrängt, ausgegrenzt oder mundtot gemacht werden. Das Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus bildet einen der letzten Orte in Wien, an dem vielfältige kritische und solidarische Basiskulturarbeit stattfinden kann, ohne direkt einer Verwertungslogik unterworfen zu sein. In einem gesamtgesellschaftlichen Kontext, der geprägt ist von Einsparungen und Kürzungen im sozialen und kulturellen Bereich, von steigender Armutsgefährdung, zunehmenden Ausgrenzungen und steigender Repression gegenüber alternativen Gesellschaftsentwürfen, hat der Weiterbestand des Zentrums eine gesamtgesellschaftlich relevante Bedeutung.
Dass im Zuge einer zunehmend wirtschaftsliberalen Politik kritischen sozialen Projekten eine politisch gewollte Ressourcenaustrocknung droht, ist gesellschaftspolitisch gefährlich. Das Kulturzentrum Spittelberg mag kein autonomes Projekt sein, in Struktur und Inhalten gibt es Widersprüche und Lücken. Dennoch oder gerade deshalb meinen wir, dass das Kulturzentrum Spittelberg auch Bedeutung als Bindeglied zwischen Szenen hat, zwischen sozialen Bewegungen und Organisationen, zwischen linken Gruppen und zivilgesellschaftlichen Initiativen, und dass das mittlerweile eine seiner Stärken darstellt, die Austausch und Diskussion ermöglicht, Berührungsängste abbaut und immer wieder neue Impulse bringen kann.

In welche Richtung sich das Zentrum weiterentwickelt, ist unsicher, auch, ob es in seiner jetzigen Form überhaupt noch Bestand haben kann, allein wegen der finanziellen Schwierigkeiten. Tendenziell meinen wir, dass das Zentrum im Amerlinghaus, das über 30 Jahre der Zuführung einer Verwertung im wirtschaftsliberalem Sinn und der Kommerzialisierung, von der es umgeben ist, widerstanden hat, nicht nur wegen seiner Geschichte, sondern auch wegen seiner gegenwärtigen Position als eines der letzten offenen, niederschwelligen und kritischen Zentren in Wien Teil der emanzipatorischen Kultur bleiben wird.

Weitere Texte, Materialien und Geschichte(n) auf:

-> Materialien & Texte

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Selbstverständnis, Aktivitäten und inhaltliche Grenzen

Niederschwelligkeit & Parteilichkeit
Das Kulturzentrum im Amerlinghaus will materielle, soziale, kulturelle und kommunikative Ressource sein, im Sinne einer umfassenden Inklusion und Parteilichkeit für Personengruppen, die kaum oder nur sehr beschränkten Zugang zu politischen, kulturellen, sozialen Partizipationsmöglichkeiten haben. Im Sinne einer "Politik der Gerechtigkeit", werden hier Zugänge zu Kultur, Politik und sozialem Leben jenseits von Marktdiktat und Verwertbarkeit eröffnet. "Auch das, was "sich nicht rechnet", hat seine Berechtigung und muss öffentlich gefördert werden." (Regierungsübereinkommen 2010 - Kultur und Wissenschaft)

Das Kultur- und Kommunkationszentrum Spittelberg im Amerlinghaus ist ein offener, niederschwelliger Raum, wo
- Vielfalt und Antirassismus gelebt wird
- Heterogenität und Offenheit erwünscht ist
- generationen-, schicht- und kulturenübergreifende Arbeit geleistet wird
- wo Kultur politisch ist und politische Kultur gepflegt wird
- Kritik und Auseinandersetzung nicht verhindert sondern gefördert werden
- kritisches Bewusstsein kommuniziert und in die Praxis umgesetzt wird
- wo politische Bildung stattfindet - solidarische gesellschaftliche Konzepte entwickelt und solidarisches Handeln bestärkt werden
- Möglichkeitsräume und Experimentierfelder eröffnet werden

Aktivitäten und inhaltliche Grenzen
Das Kulturzentrum Spittelberg/Amerlinghaus steht für eine breite Palette an Aktivitäten,
- selbstermächtigende, selbstorganisierte Projekte von prekarisierten, marginalisierten, diskriminierten oder unterprivilegierten Gruppen
- antihierarchische Strukturen, antirassistische, antisexistische, antiheteronormative Zugänge
- im Aufbau befindliche, nicht etablierte Initiativen mit geringen Mitteln
- Newcomer_innen, experimentelle und abseits des Mainstream positionierte Zugänge
- kritische künstlerische, politische & soziale Auseinandersetzungen mit gesellschaftlich relevanten Themen
- Entwicklung alternativer, gesellschaftsemanzipatorischer Konzepte in unterschiedlichen Bereichen
denen nur dort Grenzen gesetzt werden, wo das Prinzip der Selbstverwaltung sowie der Selbstermächtigung angegriffen wird. Neofaschistische, reaktionäre, rassistische und sexistische Gruppen haben hier nichts verloren - ansonsten steht das Haus allen offen, die aktiv werden wollen.

In den Diskussionen um den Fortbestand und die Struktur des Kultur- und Kommunikationszentrum Spittelberg im Amerlinghaus kumulieren eine Reihe brisanter Diskurse, nicht zuletzt auch um das aktuell vieldiskutierte Thema "Gentrifizierung" und die Fragestellung "Wem gehört die Stadt?" So sind aktuell umkämpfte Themen beispielsweise soziale Verdrängung, die Aneignung und Nutzung öffentlicher Räume, der Zugang zu Wohn- und Arbeitsraum, die Mitbestimmung bei Restrukturierungsprozessen, die Ausstattung mit und die Gestaltung von städtischer Infrastruktur sowie die Ausverhandlung von Möglichkeiten urbaner Teilhabe ("citizenship"). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie, von wem und für wen Stadt "gemacht" wird innerhalb von Gesellschaften, die durch solche extremen Disparitäten, Fragmentierungen und Interessenskonflikte geprägt sind. Einen wichtigen Schwerpunkt der Arbeit im Kulturzentrum Spittelberg bildet die politische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Widersprüchen. Unser Anliegen ist es, kritische gesellschaftsemanzipatorische Ansätze zu unterstützen, die höchstens an den Rändern des dominanten Mainstream-Diskurses sichtbar werden und nicht nach kapitalistischen Verwertungslogiken und Konsumzwängen zugerichtet werden können und wollen.
Die Stadt gehört allen!

Wir meinen, dass es Teil einer umfassenden politischen Bildungsarbeit ist, offen und kritisch gesellschaftliche Widersprüche zu thematisieren. Gerade auch für junge Menschen muss es möglich sein, sich mit unterschiedlichen Gesellschaftskonzepten auseinandersetzen zu können und nicht von vornherein normativen und tabuisierenden Ideologien ausgeliefert zu sein.

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Daten & Fakten

Der Verein Kulturzentrum Spittelberg

Träger des Kulturzentrums im Amerlinghaus ist der 1978 gegründete Verein Kulturzentrum Spittelberg (ZVR-Zahl: 530064333). Der Verein wird durch die Gemeinde Wien / MA 13 gefördert. Seit 2004 gab es keine Wertanpassung der Subvention. Die Höhe der Subvention belief sich (seit 2004 in gleich bleibender Höhe) auf € 250.000,-. 2013 gab es erstmals sogar eine Kürzung um 5.000,-. Über 90% der Ausgaben sind Fixausgaben für Miete, Betriebskosten, Energie- sowie Personalkosten. Die Miete in Höhe von über 60.000,- Euro pro Jahr (fast ein Viertel der Gesamtförderung) wird an die gemeindeeigene GESIBA bezahlt.
Die quasi gemeindeeigene GESIBA übernahm sowohl die Sanierungsarbeiten als auch die Finanzierung, wofür ihr mit dem zu diesem Zweck mit der Gemeinde abgeschlossenen Baurechtsvertrag das Vermietrecht und die Hausverwaltung zugestanden wurde. Im Laufe der nächsten Jahre sollte die GESIBA durch die Übernahme und Renovierung weiterer (über 90) Häuser am Spittelberg profitieren - Häuser, die eigentlich abgerissen hätten werden sollen, und nun, da soziale und kulturelle Initiativen das Grätzl belebt und damit, nicht in direkter Absicht, "aufgewertet" hatten, an Vermarktungswert gewonnen hatten.


In den Räumlichkeiten des Kulturzentrum Spittelberg sind vier Büros untergebracht, zwei Veranstaltungsräume, sieben Gruppen- und Kursräume, für eine Kindergruppe adaptierte Räume sowie Sanitäranlagen. Jeder der Räume wird bis zu viermal täglich von Vormittags bis Abends die ganze Woche genutzt. Das Kulturzentrum Spittelberg hat hochgerechnet eine Besucher_innenfrequenz von um die 40.000 im Jahr.

Das Haus wurde das letzte Mal nach der Besetzung 1975 generalsaniert. Der im Amerlinghaus befindliche Gastronomiebetrieb „Amerlingbeisl“ und das Bezirksmuseum haben mit dem Verein nichts zu tun.

Der Verein hat gegenwärtig nur mehr vier Angestellte. Diese verteilen sich folgendermaßen: drei operative Teilzeitkräfte, sowie eine Vollzeitkraft für die Reinigung. In den Anfangsjahren des Kultur- und Kommunkationszentrum "Amerlinghaus" waren es noch 10 Mitarbeiter_innen, wenn auch nicht alle vollzeitangestellt; 2004 wurde unter großem Druck noch einmal massiv beim Personal eingespart, das seitdem völlig am Limit ist.

Der operative Bereich umfasst:
- das Aktive Zentrum für die Generation 50+, mit eigenen Gruppenaktivitäten und umfangreichen Kursangeboten, das von einer Teilzeitkraft betreut wird sowie von einer beträchtlichen Anzahl freiwilliger Mitarbeiter_innen. (siehe Konzept Aktives Zentrum)
- den Koordinations, Informations- und Projektbereich mit zwei Teilzeitkräften für Koordination und Betreuung von über 60 Initiativen und Gruppen, für den Journaldienst im Büro, für alle Anfragen, für die Erstellung und den Versand des Monatsprogramms, für die Betreuung von Newsletter und Webauftritt, für Projektabwicklung, Veranstaltungsplanung und –betreuung, sowie für kleinere Reparaturarbeiten.

Im Kulturzentrum im Amerlinghaus arbeiten regelmäßig über 50 Gruppen und Initiativen. Dazu kommt ein weiter Kreis an punktuellen Nutzer_innen, die die Struktur für Einzelveranstaltungen, Vernetzungs- und Bündnistreffen usw. nutzen. Die Kindergruppe Amerlinghaus, die Vereinigung für Frauenintegration und der verein exil verfügen über eigenständig finanzierte Angestellte und ständige Räume im Haus.

Der Vorstand des Vereins besteht aus 9 stimmberechtigten sowie weiteren kooptierten Vorstandsmitgliedern. Im Vorstand gibt es aktuell keineN von der Gemeinde delegierteN VertreterIn mehr. Die Mitgliederversammlung ist das höchste Gremium. Jede der im Haus tätigen Initiativen kann eineN VertreterIn in die Mitgliederversammlung entsenden. Seit einigen Jahren gibt es auch wieder Hausplena.

Neben dem Kulturzentrum ist im Amerlinghaus bereits seit 1978 das
-> Bezirksmuseum Neubau
untergebracht.

Weiters befindet sich im Haus das
-> Amerlingbeisl.
Anfänglich als Bestandteil des Kulturzentrums gedacht, trennte sich das Beisl unter der Federführung von Andreas Friesz bald als eigenständiger unternehmerisch geführter Gastronomiebetrieb ab.

Der Verein Kulturzentrum Spittelberg ist Mieter der verbleibenden 523m².

Im Kulturzentrum im Amerlinghaus ist auch die
-> Kindergruppe Amerlinghaus
zu Hause, die autonom mit eigenen Angestellten arbeitet und im Dachverband der Wiener Kindergruppen organisiert ist.

Weiters sind im Kulturzentrum zwei weitere Vereine mit eigenen Büroräumen ansässig.

Die
-> Vereinigung für Frauenintegration
nützt das gesamte Kulturzentrum für Deutsch- & Basisbildungskurse für Frauen inklusive Kinderbetreuung.

Der
-> verein exil
betreibt einen eigenen Verlag, die edition exil, und veranstaltet Kulturpräsentationen mit dem Schwerpunkt auf Minderheiten- & Migrant_innenliteratur sowie Romakultur.

Die kooperierenden Vereine und Initiativen im Haus arbeiten mit eigenen Angestellten und Mitarbeiter_innen.

Für die Reinigung des gesamten Kulturzentrums Spittelberg (außer der Kindergruppe) ist Frau Milica Tosic zuständig, ohne deren langjähriges, selbstloses, immer perfektionistisches und häufig an Selbstausbeutung grenzendes Engagement der Zustand des Zentrums für den Betrieb unzureichend wäre.

Der Verein Kulturzentrum Spittelberg wird von der
MA 13 - Bildung und außerschulische Jugendbetreuung -
subventioniert.

Weitere Texte zum Thema der Finanzierung unter

-> Materialien & Texte

Infos zu Spenden, Crowd Funding und fördernden Mitgliedern unter

-> Spenden

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